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In der Predigtreihe: Predigt zu EG 289


Pfarrerin Monika Renninger
Predigt am 12nTrin, 22. August 2010,
Martinskirche

Zum Wochenlied: EG 289 „Nun lob, mein Seel, den Herren“,
Psalmlied zu Psalm 103


Das Wochenlied an diesem Sonntag ist von Johann Gramann (1487-1541) verfasst. Er gehörte zu der Gruppe von Theologen um Martin Luther herum. Bei Disputationsgesprächen über die Thesen Luthers war er wegen seiner schönen Handschrift als Protokollant dabei. Er hat nicht nur zugehört, sondern sich von Luther überzeugen lassen und wurde selbst zum Verfechter der reformatorischen Gedanken. Im Jahr 1522, also in der Hoch-Zeit der ersten Reformationsjahre, wurde er als Prediger an den Dom von Würzburg berufen. Gramann stammte aus Neustadt in Unterfranken, war also wohl vertraut mit den Menschen dort und verstand es, sie mit seinen Predigten auf die neuen Gedanken aufmerksam zu machen. Er wurde zugleich von den Mönchen des Domkapitels sehr angegriffen wegen seiner scharfen Kritik an der Heiligenverehrung, die bei der Geistlichkeit und beim Volk die Bibel und das Glaubensbekenntnis so gut wie ersetzt hatten. Gramann ging weg von Würzburg, folgte dem Ruf des preußischen Herzogs nach Königsberg, dort blieb er, der Unterfranke aus dem Süden des Landes, und wurde zum wichtigsten Reformator Ostpreußens. Die Chronisten der Reformation sagen, er habe durch seine kluge, konsequente und zugleich friedensbereite Art viel zur Stabilisierung der protestantischen Kirche in Ostpreußen beigetragen. Er starb jung, erst 54jährig. Sein Loblied, die Vertonung von Psalm 103, ist in allen evangelischen Gesangbüchern zu finden. 

Wir singen dieses Loblied, das sehr genau den Worten des Psalm 103 folgt, in einzelnen Strophen, hören dazu den Bibeltext und eine kurze Auslegung.
 Strophe 1 + Lesung Psalm 103,1-6

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ –

Diesen Psalmvers hat sich eine meiner Freundinnen für ihre Bestattung ausgesucht. Sie ist erst Mitte vierzig und es gibt auch keinen Anlass, schon ans Sterben zu denken. Aber, so sagte sie in jenem Gespräch im Verlauf eines abendlichen Spaziergangs, es gibt immer genug Anlass, ans Danken zu denken. Ich fand und finde: Sie hat recht. Und: So möchte ich auch mein Leben sehen und wahrnehmen – im Nicht-Vergessen des Guten, das ich erfahre. Seit diesem Gespräch hat der Psalmvers einen besonderen Platz in meinem geistlichen Wortschatz.

Für mich klingt darin eine große Fülle und Bandbreite an Lebenserfahrung mit. Wenn der erste Satz ein Lob auf die Güte und das Gutes-Erfahren-Haben ist, dann hat jemand von viel erlebt – auch das hier Nicht-Ausdrücklich-Gesagte: Schöne Tage und schwierige, Lachen und Weinen, unbändiges Glück und tiefe Verzweiflung.

Lesen Sie den ganzen Predigttext hier.