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Leitartikel

Kraft - "Dynamis" steht im griechischen Originaltext. Dynamik, das ist Energie, kraftvolle Bewegung, Vorwärtsgehen, Weitermachen, Nicht-Aufgeben. Ob jemand Kraft hat, zeigt sich im Denken und im Entscheiden, beim Tun und beim Lassen. Wenn einem die Kraft fehlt, bringt man keine Energie mehr auf, die eigene Situation zu gestalten, zu verändern, mit ihr umzugehen. Deshalb lautet der Gegensatz in diesem Bibelwort besser so: Gottes Kraft ist auch bei denen, die am Ende ihrer Möglichkeiten scheinen, die sich ganz verausgabt und verströmt haben, die nicht mehr so leisstungsfähig sind, die müde geworden sind in den vielen persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Das war laut der biblischen Tradition schon immer so: Gottes Kraft zeigt sich in den Schwachen und Armen, den Gebeugten und Entrechteten und findet dort zum Ziel. Gott erwählt sich das Schwache und Geringe, das Kleine und Kraftlos-Scheinende.

Doch natürlich ist die Sehnsucht aller, Kraft zu haben. Wer voller Kraft sein Leben und seine Aufgaben anpackt ist lebenstüchtig, ist jemand, der Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für andere übernehmen kann. An diesem Gedanken ist nichts verkehrtes, es sei denn, er wird zur Kraftmeierei mit dem eigenen Verstand, Geldbeutel, Geschick, Vermögen. Den Kraftvollen gehört die Welt? Wer sich ungeniert der eigenen Kraft rühmt, vergisst das, was wie ein Grundklang die Bibel durchzieht: Wir verdanken unser Leben der Güte Gottes.

Der Künstler Thomas Putze nimmt in seiner Zeichnung mit spitzer Feder die Kraftmeierei der Einzelnen auf, um am Ende zu zeigen: gemeinsam stemmen wir es nicht nur besser, sondern auch leichter und entspannter. Da genügt es, wenn jeder mit einem Arm anpackt, niemand braucht sich verkrampfen oder mit rotem Kopf das Meiste halten und hochwuchten. Und wer zu klein ist oder zu schwach, kann trotzdem mitmachen, weil er und sie zwar nicht die Lasten schultert, aber die Gemeinschaft stärkt. Aus den Vielen mit ihrer begrenzten Kraft wächst eine große Kraft. So soll es in der Gemeinde Jesu Christi sein, in der Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist.

Viele stärkende und kraftgebende Erfahrungen wünscht Ihnen

Ihre Monika Renninger