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Pfarrerin Monika Renninger
Ansprache bei Konfirmation, Sonntag Rogate, 13. Mai 2012, Erlöserkirche
Facettenkreuz (zu: Kol. 3,12-15):

Die Kleiderfrage spielt immer eine große Rolle, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde, nicht nur bei der Konfirmation: Was ziehe ich an, damit ich gut asusehe? Die Frage gab es auch schon vor 2.000 Jahren. Wir haben soeben einen Bibeltext gehört, der darauf ganz ausdrücklich eingeht. Paulus schreibt an die Gemeinde in Kolossä: Kol. 3,12-15

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld. Und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern, wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen. Seid dankbar.

Ja, sagt auch der Bibeltext, es ist wichtig, was man anzieht. Und stellt zugleich einen ganz neuen Gedanken dazu vor: Was attraktiv, was anziehend und schön macht, ist, was der innere Mensch trägt, nicht der äußere.

Herzliches Erbarmen
Freundlichkeit

Demut
Geduld
Sanftmut

Einander ertragen

Einander vergeben

Und über allem: Die Liebe.

Acht Kleidungsvorschläge, die alle gut an einem aussehen, stehen in diesem kurzen Bibeltext. – Ich habe mich auf die Suche gemacht nach einem Geschenk für euch, das euch daran erinnern soll, wenn ihr wieder mal vor der Frage steht: Wie muss ich mich zeigen und geben, damit ich attraktiv, anziehend bin? (Armband mit Facettenkreuz, 8 Facetten). Das habe ich gefunden: Es ist ein Armbändchen mit einem Holzmedaillon, das ein Facettenkreuz zeigt. Das bedeutet: In der Mitte ist das Kreuzessymbol zu sehen, und darum herum sind acht kleine Kästchen, nennen wir sie mal: Fenster. Ich stelle mir vor, diese acht Fensterchen , die das dahinterliegende Kreuz noch erkennen lassen, symbolisieren die acht Haltungen, die einen Menschen schön und anziehend machen, attraktiv eben. Sie sind um das Kreuz herum angeordnet, weil man durch sie erkennen kann, was einen Christenmenschen ausmacht. Da ist zum einen die Aufforderung: Zieht an herzliches Erbarmen. Ein altmodisches Wort für etwas, das wir so dringend wie sonst kaum etwas brauchen: Barmherzigkeit. Dass wir verständnisvoll und nachsichtig und mitfühlend mit anderen und ihren Schwächen, Fehlern, Versäumnissen, Unzulänglichkeiten, Scheitern umgehen. Weil wir das auch für uns hoffen. Denn wo wir nicht Erbarmen füreinander spüren, droht alles gemeinschaftliche Gefühl und die Bereitschaft, miteinander zu leben, zu zerbrechen. Wenn wir immer nur unter unseresgleichen bleiben, brauchen wir einander nicht wirklich, dann haben wir gewissermaßen lauter Spiegelbilder von uns selbst um uns herum.-  Die Bibel aber nennt wie in einem Grundklang Barmherzigkeit als Gottes Wesen. Das ist das, was uns entgegenkommt und uns umfängt, mit offenen Armen. Wer herzliches Erbarmen gegenüber anderen lebt, zeigt ihnen ein Stück von der barmherzigen Liebe Gottes zu uns, öffnet ihnen ein Fenster zu Christus. Das zweite Fensterchen auf das Kreuz heißt im Bibeltext: Freundlichkeit. Das ist nicht schwer, sollte man meinen. Doch wer es ernstlich versucht, weiß es besser. Weiß: Das ist nur so lange nicht schwer, wie man von gutmeinenden und gutwilligen Menschen umgeben ist. Doch Freundlichkeit auch denen gegenüber zu leben, die einem unfreundlich begegnen, ist ehrlich ganz schön schwierig manchmal. Vielleicht hilft es, sich daran zu erinnern, dass die Freundlichkeit Gottes nicht nur uns begegnet, sondern auch den anderen. Das könnte uns gegen die Macht der Unfreundlichkeit wappnen helfen, die uns manchmal überwältigen will.

Die dritte Haltung wird Demut genannt. Man soll sich da nicht täuschen: Demut heißt nicht Unterwürfigkeit. Im Gegenteil: Demut hat mit Mut zu tun, sehr viel Mut sogar. Wer mutig sein kann, ohne dabei auf sein eigenes Gut-Dabei-Wegkommen achten zu müssen, ist demütig. Das hat Jesus den Menschen vorgelebt. Zum Vierten: Wir sollen uns mit Geduld umhüllen. Geduld heißt nicht Tatenlosigkeit oder Langeweile, sondern Geduldhaben heißt: Nicht aufgeben. „Auf den Herrn harren“ sagen die Bibeltexte in der alten Sprache. Und sagen damit: Begreife, dass Gott das Ziel allen Sehnens und Grund aller Hoffnung ist. Harre geduldig auf den Herrn …

Und noch einmal: Mut. Sanftmut heißt die fünfte Haltung, die den Christenmenschen gut ansteht. Damit es keine Missverständnisse gibt. Sanftmütige Leute sind nicht zu schwach, um sich zu wehren. Vielmehr: Sanftmütige Menschen sind wirklich mutige Leute, die ohne Waffen unterwegs sind. Sie wollen nicht mit Gewalt, sondern mit ihrem Denken und Reden und mit ihrer Zuwendung überzeugen. Damit gehen sie in den Spuren Jesu.

Der sechste und siebte Gedanke ist: Ertragt einander und vergebt einander. O ja, das haben wir nötig. Denn manchmal benimmt man sich einfach unmöglich. Und andere auch. Wenn man sich nicht auch einmal ertragen und einander vergeben kann, darauf vertrauend, dass das Band der Liebe stärker ist als das, was trennt, löst sich alles auf: zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern, in Familien und Freundschaften. Dass man einander ertragen und einander vergeben kann, dafür muss man sich Kraft schenken lassen. Darum beten wir im Vaterunser. Und schließlich das, was über allem steht: Die Liebe. Ja. Darauf kommt es an. Die kleidet uns aufs Schönste. Diese – sozusagen - Lebenshaltungen, diese Kleider Christi machen uns also anziehend, schön, attraktiv: Herzliches Erbarmen. Freundlichkeit. Demut. Geduld. Sanftmut. Einander ertragen. Einander vergeben. Und über allem: Die Liebe. All das öffnet uns selbst und anderen den Blick auf Christus. All das sollen wir in einem Christenleben anziehen. Tragen wir all das so, so, dass man uns daran erkenn? – Bei eurer Konfirmation bekräftigt ihr, dass ihr das mit uns zusammen versuchen wollt. Und wir erneuern unser Versprechen mit euch. Das kleine Armband soll euch daran erinnern.

Amen